Die alten Urkunden

Von Helga Haeberlin, erstmals veröffentlicht 1994 in der Festschrift zum 675-jÀhrigen JubilÀum der Gemeinde

In den Veröffentlichungen der Historischen Kommission fĂŒr Kurhessen und Waldeck „Klosterarchive (Regesten und Urkunden), II. Bd. (Klöster, Stifter und HospitĂ€ler der Stadt Kassel und Kloster Weissenstein)“, Marburg 1913, bearbeitet von Johannes Schultze, findet sich unter Nr. 92 eine Urkunde vom 4. Mai 1319:

92. 1319 Mai 4.

Hermann Gysle, „proconsul“, Wernher Sydenswanz, Johannes Winnemari, Hartmann von Lemgo (Lemego), Wernher von Geismar (Geysmaria), Conrad Fridelant, Heinrich von Nordshausen (Nordershusen), Hermann Arnoldi, Heinrich Detmari, Conrad Bernonis d. 'J., Helwich von Crumbach und Conrad von Hertingshausen (Hertingeshusen), „consules“ in Kassel (Cassle), beurkunden, daß Reinhard von Spickershausen (Spykersh[usen]) und Werentrudis, seine Gattin, ihre MitbĂŒrger, einen jĂ€hrl. Zins von 6 Schillingen, fĂ€llig zu Weihnachten am 27. Dez. (Joh. evang.) von ihrer Wiese unterhalb Kassel und Wolfsanger (Wlvesangere), an Alheydis Sydenswenzen, Nonne in Ahnaberg (Aneberg), verkauft haben. Die VerkĂ€ufer und ihre Erben dĂŒrfen diesen Zins auch auf einen anderen Besitz anweisen. - Siegler: die Aussteller mit dem Stadtsiegel. - Datum anno 1319, feria sexta proxima ante dominicam Cantate.

Was besagt diese uns im Original leider nicht zugĂ€ngige Urkunde? Sie besagt – soweit es uns fĂŒr die erste urkundliche ErwĂ€hnung des Ortsnamens von Spiekershausen interessiert, nur, dass am Tage der Erstellung des Pergaments ein Herr Reinhard von Spykersh(usen) mit seiner Frau auftrat und vor 12 (!) Zeugen („consules“) ein RechtsgeschĂ€ft mit einer Nonne von Kloster Ahnaberg vornahm; dabei geht es um eine Wiese unterhalb von Kassel und Wolfsanger und einen jĂ€hrlichen Zins von 6 Schillingen.

Die Terminologie der Urkunde regt fraglos zu vielerlei Gedanken und juristischen Überlegungen an - indessen wichtig ist fĂŒr uns nur, dass es an besagtem Tage jemanden gab, der sich als Mann von Spiekershausen in der alten Ausdrucks- und Schreibweise unseres Ortes bezeichnete.

Die Existenz des besagten Reinhard und seine Herkunft sind auch noch durch weitere Urkunden derselben Publikation belegt:

156. 1338 Okt. 16.

Sifrid Sidinsvanz, Priester, bekundet, daß er die Äcker in den Feldern des Dorfes Wolfsanger (Wolvesanger), die einst dem Reinhard von Spickershausen (Spikershusen) gehörten, den GĂŒtern, die Hildebrand von Simmershausen (Simeshusen) in seinem Namen (ex parte mei) bebaut, einverleibt. - Siegler: Bruder Johannes, Prior der KarmeliterbrĂŒder des Hauses in Kassel (Kassle). - Anno 1338, ipso die Galli et Lulli confess.

166. 1341 MĂ€rz 21.

Heinrich Conradi, „proconsul“, Conrad von Hertingshausen (Hertingishusen), Conrad von Friedland (Fredelant), Heinrich Ditmari, Hermann von Bettenhausen (Bettinhusen), Helwich von Crumbach, Wernher Sydensvantz, Conrad Rudewig, Hartung der Meide (Ancillarum), Johannes Wilmari und Hedenrich Schoteman, „consules“ in Kassel (Cassele), beurkunden, daß d. Siffrid Sydensvantz seine GĂŒter in Umbach, die einst Wernher Flyge gehörten, und seine Äcker in der Gemarkung Wolfsanger (Wolfirsangir), die einst Renhard von Spickershausen (Spichirshusen) gehörten, dem Propste, der Priorin und dem Konvente der Nonnen in Ahnaberg (Aneberge) zu dauerndem Eigentume ĂŒbertragen hat. - Siegler: die Aussteller mit dem Stadtsiegel. - Anno 1341, feria quarta proxima ante Judica.

Im Zusammenhang mit weiteren RechtsgeschÀften erscheint der Name Spiekershausen ebenfalls in folgenden Urkunden:

530. 1515 Dez. 31.

Vor dem Notar verkaufen Ludwig Rencke und seine Frau Alheid, und Ludwigs Bruder Clawes Rencke und seine Frau Else, wohnhaft zu Spickershausen, an Mater und Konvent zum Ahnaberg (Aneberge) zu Kassel einen jĂ€hrlichen Zins zu Weihnachten von 2 Gulden weniger 1/4 (eyn orth) aus einem Garten Ludwigs im „crutze sigen“, aus einem Acker oberhalb des Gartens und einem Acker in dem „crutze sigen“ in der „auve“, ferner aus 1 1/2 Acker Land des Klaus im „crutze sigen“ und aus der MĂŒhle in der „auve“ fĂŒr 26 rheinische Gulden Frankfurter WĂ€hrung auf Wiederkauf. - Zeugen: Hans Eddeling und Leisterhen. - Siegler: Tilemann Gippers (Gibbers), „schultz“ zu Kassel. - Geschehen 1516, ind. 4., im 4. Jahre des P. Leo X., am letzten Tage des Dezember, auf dem „sprechhause“ zu Ahnaberg.

533. 1516 Sept. 25.

Vor dem Notare verkaufen Claus Reincke von Spickershausen (Spichershusen) und seine Frau Else an Mater und Konvent des Klosters zum Ahnaberg (Aneberge) 1 Goldgulden hessischer WĂ€hrung Zins zu Michaelis, aus ihrem Hause, Grunde und ihrer Hofstatt zu Spickershausen, zwischen Hans Fesels und dem Kirchhofe gelegen, ferner aus einem Garten auf dem „fehewege“ und aus 2 Äckern Land bei dem „crutze“, die an Heinrich Steinfelds Land stoßen, fĂŒr 15 rheinische Goldgulden auf Wiederkauf. - Siegler: Tilemann Gippers, „schultze“ zu Kassel. - Zeugen: Hans Huskoich, Schöffe, und Jacob Zeommerman, BĂŒrger zu Kassel. - Geschehen 1516, ind. 4., im 4. Jahre des P. Leo X., am 25. Sept., auf dem Rathause zu Kassel.

Jedes Mal erscheint fĂŒr Spiekershausen die wieder gegebene urkundliche Schreibweise, die variiert, und zwar

1319            Spykersh(usen)
1338            Spikershusen
1341            Spichirshusen
1377            Spichershusen
1515/16       Spickershausen

Die Variation der gesprochenen Ortsbezeichnung durch den jeweiligen Urkundenschreiber ist fĂŒr uns interessant, aber fĂŒr unsere Frage ohne materielle Bedeutung. Der Zusammenhang der Urkunden bestĂ€tigt, dass es sich um unseren Ort handelt: Der Name Spiekershausen wurde erstmals am 4. Mai 1379 urkundlich erwĂ€hnt.