Das HĂ€nflingsnest

Von Helga Haeberlin, erstmals veröffentlicht 1994 in der Festschrift zum 675-jÀhrigen JubilÀum der Gemeinde

„Spiekershausen. Es ist ein altes Dörfchen, liegt an der Fulda in einem wildromantischen Thale und wird von Cahsel aus öfters besucht. FĂŒr den Freund der Naturschönheiten ist hier eine höchst anziehende und reizende Gegend. Von beiden Seiten hohe Waldgebirge, zieht sich die Fulda durch das enge Thal zwischen grĂŒnen schmalen WiesenflĂ€chen malerisch dahin. Das enge Thal ist unterhalb der MĂŒhle des Dorfes mit der massiven, aus 5 Bogen bestehenden majestĂ€tischen EisenbahnbrĂŒcke ĂŒberspannt, jeder der Bogen fĂŒhrt 72 Fuss hoch ĂŒber die Fulda. Schon vor alten Zeiten soll der Weg nach Cahsel hier ĂŒber Spiekershausen immer benutzt sein, wo dann eine ordnungsmĂ€ssige FĂ€hre ĂŒber die Fulda eingerichtet war. ...“

So hat in der Schulchronik von 1880 der Lehrer Heinrich Hegenberg (von 1878 - 1883) in kalligraphisch schwunghaft schönen Lettern seinen schulbezogenen Daten und Vermerken einen wirklich poetischen Ausblick vorangesetzt.

Und der weit gereiste, weltbekannte Dichter und Bildhauer Gustav Eberlein, Sohn unseres Dorfes, schreibt in der Erinnerung an seinen Geburtsort seiner Frau Maria

„... Du hast mich oft begleitet noch dem stillen Dörfchen, das idyllisch wie ein HĂ€nflingsnest, im Busch, zwischen tiefen WĂ€ldern an der Fulda liegt, in das verfallene Bauernhaus, in dem ich geboren. Alle die einsamen verborgenen Pfade durch Wald und Wiesen, an den flĂŒsternden Weiden und dem Schilf der Flussufer vorĂŒber, bist Du mit mir gewandert. ...“

Und schließlich, wenn wir unseren Ort lyrisch besingen, darf nicht fehlen, was vor nunmehr 62 Jahren der Lehrer Karl Brommer schwĂ€rmerisch ĂŒber „den schönsten Ort im schönsten Land“ dichtete:

Den Wanderer grĂŒĂŸt der Grenz-Wammerstein:
„Ins herrliche LĂ€ndchen tritt willkommen ein!
Dort winkt dir ein Dörflein, so lieblich im Tal
Mit uraltem Kirchlein und manchem Lokal.
Siehst die HĂ€user so traulich und die Leute so treu.
Als Gast laß dich nieder und sei mit dabei!
Dies stilltraute Dörflein am Fuldastrand
Ist sicher das schönste im deutschen Land.“
 
Bei Kaffee und Kuchen und Aal, Wein und Bier
Sich stÀrket der Wandrer, erholet sich hier.
Die Kasseler Flotte, vom Reiche die Bahn,
Sie bringen der GÀste unzÀhlige heran.
Vom Ruhplatz der Spieke das Wehr man erblickt
Und ist von der BrĂŒcke der Reichsbahn entzĂŒckt.
Dies PlÀtzchen der Aussicht am Fuldastrand
Ist sicher das schönste im deutschen Land.
 
„Hier will ich verweilen, kann trennen mich nicht,
Muß GrĂŒĂŸe versenden, wie’s Herz zu mir spricht.
Hernach will ich eilen wie Kahn, Boot und Fisch,
Den Parkwald erwandern, wo’s schattet so frisch!
Vom Zug oder Dampfer grĂŒĂŸâ€™ Dorf ich und Tal
Und Berge und WĂ€lder! Traf gut meine Wahl!
Dies Fleckchen als Heimat am Fuldastrand
Ist sicher das schönste im deutschen Land.“
 
Nach wenigen Stunden der Rast und der Ruh’
Die AusflĂŒgler eilen dem Heimatort zu.
„Lieb’ Heimat, bist nicht nur der Wanderer Ziel,
Uns, Heimat, gehörst Du. Der Reize gar viel
Dein liebweiser Schöpfer dir einst hat verliehn.
Wir preisen dich immer und du lobe ihn!
Das schönste Dörflein am Fuldastrand
Ist Spiekershausen, mein Heimatland.
 
Du, Dörflein und Heimat, mein Stolz, meine Zier,
Dir, Perle der Schönheit, verbunden sind wir.
Und sollten auch wir einst auf Wanderung ziehn,
Dort Gaue zu sehen auch grĂŒnen und blĂŒhn,
Uns ziehen Gewalten, o Heimat und GlĂŒck,
In offene Arme dir treudeutsch zurĂŒck.
Das schönste Dörflein am Fuldastrand
Ist Spiekershausen, mein Heimatland.
 
Du spendest uns alles. Gibst Arbeit und Brot,
Damit deine Kinder ja leiden nicht Not.
Und sollt’ es dir, Heimat, selbst gehn einmal schlecht,
So wollen wir streiten stets sieghaft fĂŒrs Recht!
Uns treiben Gewalten, die machen uns stark,
Dich uns zu erhalten, zum Kampf bis ins Mark!
Das schönste Dörflein am Fuldastrand
Ist Spiekershausen, mein Heimatland.“
 

1932 Gedichtet und vertont von K. BrĂŒmmer, Lehrer z. Zt. In Spiekershausen