Die Dorfbewohner

Von Helga Haeberlin, erstmals veröffentlicht 1994 in der Festschrift zum 675-jÀhrigen JubilÀum der Gemeinde

Einen anschaulichen Bericht ĂŒber die Wohn- und Lebensverhaltnisse der Menschen vor 150 Jahren gibt Adelheid Schlaefke in ihrer Examensarbeit:

 â€žZur damaligen Zeit sind noch alle HĂ€user im Stil des Hessischen Einhauses Fachwerkbauten (hier leider verputzt). Obwohl kein einziges Bauernhaus im unverfĂ€lschten baulichen Bestand des Mittelalters erhalten ist, mĂŒssen wir die Entwicklung dieser Hausart dennoch dem Mittelalter zuteilen.

Sie hat ohne grundsĂ€tzliche VerĂ€nderungen die folgenden Jahrhunderte ĂŒberdauert und sich teilweise bis auf den heutigen Tag lebendig im Gebrauch erhalten.

Der Ober- und Mitteldeutsche trennt Wirtschaft und Wohnung grundsĂ€tzlich bis zur Auflösung des Gehöftes in lauter Einzelbauten. Die Ausbildung des oberdeutschen Hauses bestand in der Teilung und Mehrung des Grundrisses bei vielleicht schon frĂŒhzeitigerAufnahme des Stockwerkbaues. So ist die Abzweigung der WirtschaftsgebĂ€ude von den Wohnhausern der grĂ¶ĂŸeren Bauernhöfe in jenen Jahren zu verstehen.

Neben Bauart und Hauseinteilung zeigt die Benutzung und Einrichtung der RĂ€ume die Lebenshaltung der Bewohner. Trotz der Unterschiede, die sich zwischen der Haushaltung Wohlhabenderer oder MinderbegĂŒteter im Dorfe fanden, möchte ich versuchen, ein allgemeines Bild von der ĂŒberall wartenden Sparsamkeit, die eine gewisse Gediegenheit nicht ausschloss, aufzuzeigen.

Die Stube war der grĂ¶ĂŸte Wohnraum; denn in ihr hielt sich die ganze Familie insbesondere wĂ€hrend des Winters auf. Die Möbel waren von bĂ€uerlich-handwerklicher Beschaffenheit. Unter den Fenstern stand eine lange Bank an der Wand, davor ein großer Tisch und rundherum StĂŒhle mit runden, geschnitzten Lehnen und Schemel. An der gegenĂŒberliegenden Wand stand die Truhe des Hauses, Koffer genannt, die ebenfalls mit Schnitzerei verziert war. In ihr bewahrte die Hausfrau die WĂ€sche auf. Oftmals stand auch noch ein großer Schrank in der Stube, der neben der Truhe das schönste MöbelstĂŒck des Hauses darstellte. Er war sehr sorgsam geschnitzt; in ihm hingen die Kleider. Die WĂ€nde der Stube waren gestrichen und trugen eine schmale Schablonenborte. Die Fenster waren ziemlich klein. Zur ErwĂ€rmung des niedrigen Raumes war der Herd von der KĂŒche durch die Wand in die Stube gebaut wurde von der KĂŒche aus geheizt, und daher war kein Rauchabzug in der Stube nötig.

Die KĂŒche war im Vergleich zur Stube etwa halb so groß, denn sie diente nur zum Kochen. In der Ecke befand sich ein aus Backsteinen gemauerter Herd mit einer Eisenplatte. Über dem Herd fĂŒhrte ein offener Schornstein nach oben, daher war es bei Wind leicht rauchig in der KĂŒche. Unter dem Fenster stand auch hier eine Bank, davor ein Tisch, nicht grĂ¶ĂŸer als er gerade zum Wirtschaften nötig war. An den WĂ€nden, die Ă€hnlich wie die der Stube gestrichen waren, hingen Borte, sog.Anrichten, mit Tellern und sonstigem Geschirr. Der KĂŒchenschrank bewahrte Nahrungsmittel, große „EssnĂ€pfe“,“Kumpen“ und KrĂŒge. Sie waren aus gebranntem Ton, wie sie die Nienhagener jedes FrĂŒhjahr in allen Dörfern anboten.

Die Kammer war ein ganz kleiner Raum, die Betten darin aber so breit und groß, dass oft kein Platz mehr fĂŒr den Schrank da war. Kleine Tischchen und ein paar StĂŒhle bildeten das ĂŒbrige Mobiliar. Aber auch hier war jedes StĂŒck mit geschnitzten Verzierungen versehen.         

Die Arbeit der Bauern war weit schwieriger und langsamer zu bewĂ€ltigen als heute, obwohl viel mehr Menschen dabei tĂ€tig waren, ja auch die Kinder tĂŒchtig helf en mussten. Unter vielen anderen mir genannten Beispielen möchte ich nur zwei herausgreifen: Die Drescherei, die heute in wenigen Tagen beendet ist, dauerte damals bis Weihnachten. Um 2 Uhr morgens wurde aufgestanden und mit dem Flegel gedroschen. Das war eine sehr saure Arbeit. Mit der Wurfschaufel wurde das Korn gereinigt. Diese Arbeitsweise gab es in Spiekershausen noch bis 1905, als sich endlich ein Bauer eine kleine Dreschmaschine anschaffte, die durch 4 Pferde an Treibriemen in Gang gehalten wurde.

Die Kartoffeln wurden mit der Kartoffelgabel oder dem Spaten ausgemacht. Da es noch um diejahrhundertwende keine gezĂŒchteten Kartoffelsorten gab, war die Ernte gering. Jeder Mann hatte bis zum FrĂŒhstĂŒck nicht mehr als einen Sack voll gelesen, wĂ€hrend es heute deren etwa vier sind. Von „schlechten“ Jahren wird berichtet, dass die Leute den ganzen Tag Kartoffeln ausmachten und dennoch nicht mehr als eine Kötze (Kiepe) heimbrachten. Weil die Ernten so klein

waren, konnten die Bauern nicht viel Vieh halten. Pferde gab es nur wenige, KĂŒhe 1 - 2, ein paar Schafe, Ziegen, Schweine, GĂ€nse und HĂŒhner, der GrĂ¶ĂŸe des Hofes entsprechend ...

Die ErnĂ€hrung der Bauersleute war sparsam. Am Morgen gab es bei Arm und Reich zum Kaff ee trockenes Brot. Das war eine Sitte, die lange nicht geĂ€ndert wurde. Um 9 Uhr wurde zum FrĂŒhstĂŒck Brot und ein wenig Wurst verzehrt. Mittags stand meist „Untergekochtes“ auf dem Tisch, aber es war gut geschmĂ€1zt und bei harter Arbeit auch ein StĂŒck GerĂ€uchertes darin. Am Nachmittag rief die Bauersfrau zum Kaffee oder sie brachte ihn aufs Feld mit Brot. Butter, Schmand und Mus. Die Butter war meist aus Sauerrahm hergestellt. FĂŒr die Armen galt RĂŒbölbrot schon als eine Delikatesse. Abends gab es warmes Essen, oftmals Fisch.

Wie die Möbel und GebrauchsgegenstĂ€nde im Haus, so war dieKleidung der Bauern einfach, sehr haltbar und schön. Sie glich im Großen und Ganzen der „Schönsteiner Tracht“ aus dem Hessenland.

Die MĂ€nner trugen blaue Hessenkittel und darĂŒber einen LedergĂŒrtel. Am Sonntagskittel waren die SchulterstĂŒcke, der Stehkragen und der Halsschlitz bestickt. Die Hosen fĂŒr den Sommer stellte man aus dunklem Leinen knielang her, wĂ€hrend sich besonders bei Wind und Wetter Wildiederhosen und Gamaschen als rechte, derbe Kleidung zur lĂ€ndlichen Arbeit eigneten. Die Schuhe der Leute waren aus Wildleder gearbeitet breit und einleistig. Sie bedeckten die Knöchel nicht. Stiefel kannte man nicht. Die Tracht wurde von den MĂ€nnern bis etwa 1870, von den Frauen bis um die Jahrhundertwende getragen.

Die Frauen trugen ein kimonoartiges, weißes Leinenhemd, einen weiten Rock aus farbig-gestreifter „Beiderwand“ (ein Faden Wolle, ein Faden Flachs im Wechsel gewebt), darĂŒber ein Mieder, je noch der Jahreszeit aus schwarzer Wolle, kariertem oder einfarbigem Leinen und eine glatte, mattglĂ€nzende SchĂŒrze, die in der Stadt mit einer Borte und einem winzigen StreublĂŒmchenmuster bedruckt war. Zum Schutz gegen die KĂ€lte gab es Strick- oder Wollstoffjacken und TĂŒcher ganz verschiedener Art. Die StrĂŒmpfe waren aus Wolle selbst gestrickt. Je jĂŒnger die Frau, desto bunter war die Tracht, alte Frauen pflegten sich ganz in schwarz zu kleiden.

Die Herstellung aller Woll- und Leinenkleidung lag in den HĂ€nden der Frauen und MĂ€dchen. Sie hielten Schafe und bauten Flachs an; sie spannen, webten, nĂ€hten und strickten und sparten dadurch manchen Taler ein. Sehr oft trafen sie sich zur gemeinsamen Arbeit am Abend mit dem Spinnrade in der MĂŒhle. Die Wolle wurde bis Weihnachten gesponnen, der Flachs erst nach Weihnachten.

Aus diesen konkreten Angaben geht hervor, dass die Bauern zur sparsamsten Lebenshaltung gezwungen waren. Nur unter dieser Bedingung konnte es ihnen möglich sein, von ihren Erzeugnissen auf den Markt zu bringen. Eine Erleichterung fĂŒr ihr Auskommen bildete der Fischfang,ohne den besonders die kleineren Betriebe hĂ€tten zugrunde gehen mĂŒssen. Die AalfĂ€nge brachten jĂ€hrlich eine Einnahme von mindestens je 1.000 Mark. In einer Nacht fing man oft zur Hauptzeit der AalzĂŒge im Herbst und im FrĂŒhjahr nach Eisgang 300 bis 400 StĂŒck. Auch andere Fische wurden zentnerweise gefangen, da die Fulda (noch bis 1909) sehr fischreich war.“

So weit Adelheid Schlaefke.

 

Nahtlos fĂŒgt sich hier an, wenn in den Schulunterlagen von 1909 der Lehrer HeinrichWehrbein die „Verhaltnisse der Ortsbewohner“ wie folgt beschreibt:

„Der Ort Spiekershausen hat zurzeit 140 - 150 Einwohner. Da die Bewohner viel mit den Bewohnern in Cassel verkehren, ist die Sprache mehr eine stĂ€dtische, schöne hochdeutsche. Die Bewohner lieben es, sich stĂ€dtisch und schön zu kleiden.

Die Confession ist evangelisch-lutherisch. Gern besuchen die Einwohner die Gottesdienste, die sonntĂ€glich zweimal abgehalten werden. Morgens von 10 - 11 Uhr ist Lesegottesdienst; mittags von 12 - 1 Uhr ist Kinderlehre. Die Gottesdienste hat der Lehrer (KĂŒster) zu halten. Der Pastor von Landwehrhagen kommt nur Sonntag nach Weihnachten, am 2. Ostertag, Sonntag nach Pfingsten und jeden 7. Sonntag in der Trinitatiszeit also im Ganzen 6 Mal. Außer den sonntĂ€glichen Gottesdiensten hat der KĂŒster noch Fastengottesdienste in der Fastenzeit - Freitagabend von 7 - 8 Uhr - zu halten.

Dem Ortsvorsteher stehen noch zwei Beigeordnete zur Seite. Bei wichtigen Angelegenheiten tritt stets die ganze Gemeinde zusammen. Der Kirchenvorstand besteht aus dem Pastor zu Landwehrhagen als Vorsitzendem und 4 Kirchenvorstehern. Der Schulvorstand wird vertreten durch den Pastor als Vorsitzenden, den Ortsvorsteher als dessen Stellvertreter, den Lehrer und zwei Schulvorsteher.

Die HauptbeschÀftigung der Einwohner ist Ackerbau und Viehzucht. Da aber die Fulda sehr fischreich ist, so treiben viele Einwohner Fischfang.

Die Fulda hat an der Dorfseite keine hohen Ufer, und hat dieselbe seit Menschengedenken noch keine Menschenopfer gefordert. Aber angeschwemmt kamen frĂŒher viel; jetzt bleiben die Leichen entweder vor der Schleuse bei Wolfsanger oder sie werden durch die Strömung auf die linke Seite der Fulda an das Schleusenwehr bei der MĂŒhle, Gemarkung lhringshausen, getrieben. Das Hochwasser hat hier nennenswerten Schaden nie gebracht. Der Besitzer der MĂŒhle musste verschiedentlich seine Wohnung auf kurze Zeit rĂ€umen (Im Wohnzimmer ist noch heute - 1994 - die Hochwassermarkierung zu sehen).

Am 25. November 1882 und am 6. Februar 1909 waren Wassertage fĂŒr Spiekershausen. Da erreichten die Fluten eine solche Höhe wie im Jahre 1842. Da die Fulda jetzt immer tiefer ausgebaggert wird, wird die Hochwassergefahr immer geringer.

Eine grĂ¶ĂŸere Anzahl der Bewohner finden lohnende BeschĂ€ftigung in der Henschel'schen Fabrik in Cassel; auch liegen SteinbrĂŒche in der NĂ€he, und Ziegeleien geben Arbeit, so dass Leute, die arbeiten wollen, reichlich Arbeitsgelegenheit finden. Ortsarme gibt es daher hier nicht. Die Mehrzahl der Einwohner ist wohlhabend. Durch die zahlreichen Wirtschaften an der Fulda finden die Landwirte gute Abnehmer von Milch, Eiern, Butter. Ein Liter Milch kostet 20 Pfennige. Die Nahrungsmittel haben hier eine bedenkliche Höhe. Die Nahe Cassels macht alles teuer.

1890 wurde hier ein Kriegerverein (Fahne von 1894) ins Leben gerufen. Derselbe ist zwar klein, aber ist fĂŒr das Leben in der Gemeinde von großer Bedeutung. Treue BĂŒrger halten fest an Kaiser und Reich. Kaisers Geburtstag, auch wohl Sedan, werden mit der Gemeinde gemeinschaftlich gefeiert. Schon oft fanden unter Leitung des Lehrers AuffĂŒhrungen, die mit Tanz endeten, statt. Eine solche Feier ist jedenfalls besser als eine Tanzmusik. Auch wurde 1908 ein Turnverein gegrĂŒndet. Derselbe ist im Wachstum und scheint sich gut zu entwickeln.

AlljĂ€hrlich findet im Herbst die Kirmes statt. Diese wird gewöhnlich zwei Tage gefeiert. Der erste Tag gilt besonders den Fremden, der Zweite ist fĂŒr die Ortsbewohner. Die rohe Festfreude, wie ich dieselbe auf anderen Orten gesehen, ist hier nicht. Es ist ein Fest, an dem jeder teilnehmen kann, ohne Gefahr zu laufen, PrĂŒgel zu erhalten. 1912 löste sich der Turnverein wieder auf. Es bildete sich ein Schießverein. 1919 und 1920 wurden zu Weihnachten Weihnachtsfestspiele aufgefĂŒhrt. Die musikalischen Leistungen lagen in den HĂ€nden des Kantor Wehrbein. Zu Fastnacht abermals eine AuffĂŒhrung; die Einnahmen betrugen ĂŒber 300 Mark. Die ÜberschĂŒsse kamen Kriegerwitwen zugute.“

Und ein paar interessante Daten wurden von Lehrer Wohlfahrt notiert:

„Am 3.12.1947 wurde ein ViehzĂ€hlung durchgefĂŒhrt, die folgendes Ergebnis hatte:
Pferde 16,
Rinder 40, davon 18 MilchkĂŒhe, 9 ZugkĂŒhe, 1 FĂŒrse, 2 Zugochsen, 1 Stier, 9 Jungtiere,
Schweine 77,
Schafe 14,       
HĂŒhner 266,
Ziegen 37,           
TruthĂŒhner 6,
GĂ€nse 40,           
Kaninchen 197,
Enten 2,           
Bienenstöcke 1.“
 
„Einwohnerzahl am 15.10.1946:
Gesamtzahl 407, davon 183 mÀnnlich
224 weiblich
50 Evakuierte,
56 FlĂŒchtlinge
Einheimische 74%
Evakuierte 12,3%
FlĂŒchtlinge 13,7%
Bevölkerungsdichte: 256 auf 1 qkm.“
 
Im MĂ€rz 1994 betrug die Einwohnerzahl insgesamt 713,
davon mÀnnlich 337
und weiblich 376.

 

Zur Entwicklung und VerĂ€nderung des Dorfes bis 1950 kann ich wiederum wesentliche Fakten und Tendenzen der Arbeit von Adelheid Schlaefke entnehmen. Das vertrĂ€umte HĂ€nflingsnest verwandelt sein Gesicht nach innen und außen. Durchgreifende Maßnahmen von Seiten des Staates tragen zur Verbesserung der wirtschaftlichen und verkehrstechnischen VerhĂ€ltnisse bei. In den Jahren 1901-06 werden die Flurbereinigung vorgenommen sowie ordentliche Straßen zum Bahnhof, nach Sandershausen (1909) und Landwehrhagen (1911) gebaut. Es entsteht ein reger Verkehr zwischen Kassel und Spiekershausen, insbesondere durch die Teilnahme der KasselĂ€ner an den dörflichen Festen, die mit besonderer Tradition gefeiert wurden (Himmelfahrt, Kirmes, Erntedank). Es setzt eine rege BautĂ€tigkeit ein. Es entstehen 1 (neues) Schulhaus, 2 Bauernhöfe, 1 bĂ€uerliches Wohnhaus, 14 WirtschaftsgebĂ€ude, 1 Gemeinde- bzw. Armenhaus, 1 Villa, 4 MietshĂ€user, 2 Pensionshauser, 2 Tanzsale, 2 WochenendhĂ€user, 1 Spritzenhaus und ein Bahnhofsschuppen sowie ein Kolonialwarenladen.

Der Zuzug stĂ€dtischen Bevölkerung/Stadfflucht und die Loslösung der SpiekershĂ€user von der landwirtschaftlichen Scholle hin zum Arbeiterberufsstand verĂ€ndern die dörfliche Gemeinschaft. Durch technische Erneuerungen und die Anschaffung moderner landwirtschaftlicher Maschinen auf genossenschaftlicher Basis wird ein Teil der in der Landwirtschaft tĂ€tigen Bevölkerung nicht mehr gebraucht. Die Einwohnerzahl steigt auf 526. Zu bemerken ist, dass neben den erwĂ€hnten Neubauten Umbauten und Erneuerungen der alten Bausubstanz vorgenommen wurden. Der Bedarf an Wohnraum stieg, und so wurden eine Reihe an der Straße liegender Scheunen und Tennen in WohnhĂ€user und -rĂ€ume umgewandelt; ein zweiter Einkaufsladen wurde fĂŒr die Bedarfsdeckung der Einwohner erforderlich. Die NĂ€he der Großstadt Kassel machte sich in allen Bereichen bemerkbar. Alte Traditionen und BrĂ€uche geraten in Vergessenheit. Kleidung, Nahrung, Stil und Einrichtung der

WohnhÀuser nehmen stÀdtischen Charakter an. Das eigene Brotbacken z. B. hatte 1932 ein Ende, als im Dorf sogar eine eigene BÀckerei eröffnet wurde; zuvor bestanden 3 BackhÀuser.

Ein wesentlicher Teil des alten ging nicht zuletzt verloren durch die Zerstörungen im 2. Weltkrieg: 6 Bauernhöfe und 11 WohnhÀuser wurden teilweise bis auf die Grundmauern zerstört, auch die Kirche blieb nicht verschont.